Geburtserfahrung verarbeiten: Wenn die Geburt anders war als erhofft


In diesem Beitrag geht es um belastende Geburtserfahrungen. Lies ihn in deinem Tempo.
Du darfst jederzeit eine Pause machen oder aufhören, wenn es dir zu viel wird.
„Die schönste Zeit deines Lebens“ – und wenn es sich nicht so anfühlt
In meiner Praxis erlebe ich immer wieder junge Mütter, die mir etwas Ähnliches erzählen. Vielleicht kennst du das auch: Alle haben dir gesagt, die Geburt sei der schönste Moment im Leben und die erste Zeit mit dem Baby etwas ganz Besonderes. Und dann war es ganz anders.
Deine Geburt war schmerzhaft, hektisch, vielleicht beängstigend, und hatte wenig mit dem zu tun, was du dir vorgestellt hattest. Auch die Zeit danach fühlte sich nicht nach Wolke sieben an, sondern vor allem nach Erschöpfung und Schlaflosigkeit. Statt zu genießen, warst du gestresst, gereizt und überfordert.
Und während alle anderen von der schönsten Zeit schwärmen, fragst du dich: Ist mit mir etwas falsch? Vielleicht machst du dir Vorwürfe, schämst dich oder fühlst dich sogar schuldig, weil die Geburt nicht so verlaufen ist, wie du es dir gewünscht hattest.
Dann möchte ich dir eines gleich zu Beginn sagen: Mit dir ist alles in Ordnung. Was du fühlst, hat einen Grund. Und es darf da sein.
Belastende Geburt: Wenn die Geburt Spuren hinterlässt
Eine Geburt kann belastend sein, auch wenn medizinisch „alles gut gegangen“ ist. Entscheidend ist nicht, was in der Akte steht, sondern wie du es erlebt hast. Viele Frauen erzählen mir von ähnlichen Erfahrungen:
Kontrollverlust: Du hattest dir eine natürliche Geburt gewünscht, und dann ging alles ganz schnell. Entscheidungen wurden über deinen Kopf hinweg getroffen.
Nicht gehört werden: Du hast gesagt, dass etwas nicht stimmt, dass du Schmerzen hast oder Angst. Aber niemand hat wirklich zugehört.
Angst um dein Kind: Es gab Momente, in denen du nicht wusstest, ob dein Baby gesund ist.
Schmerz und Erschöpfung: Die Geburt hat dich körperlich an deine Grenzen gebracht, oder darüber hinaus.
Die Zeit danach: Dein Baby musste in die Kinderklinik, und du bist mitgegangen. Ab da ging es nur noch um das Kind. Du konntest kaum schlafen, kaum essen, dich nicht um dich selbst kümmern. Und niemand hat gefragt, wie es dir geht.
Gerade dieser letzte Punkt wird oft übersehen. Dabei bist du in diesen Tagen genauso verletzlich wie dein Kind.
Wie sich das später zeigen kann
Manchmal spürst du die Folgen sofort, manchmal erst Monate oder Jahre später. Vielleicht kennst du einiges davon:
Bilder oder Geräusche von der Geburt tauchen immer wieder auf, auch wenn du nicht daran
denken willst.
Du schläfst schlecht, bist angespannt oder schnell überfordert.
Es fällt dir schwer, eine Bindung zu deinem Baby aufzubauen, und du fühlst dich deswegen schuldig.
Du meidest das Krankenhaus, bestimmte Gespräche oder sogar Geburtsberichte von anderen.
Der Gedanke an eine weitere Schwangerschaft macht dir Angst. Vielleicht wünschst du dir ein zweites Kind und traust dich trotzdem nicht. Oder du hast Angst, dass sich die durchwachten Nächte und die Erschöpfung wiederholen.
Das alles sind keine Zeichen von Schwäche. Es sind Reaktionen auf etwas, das dich überfordert hat.
Du bist nicht allein, und du darfst darüber sprechen
Viele Frauen tragen ihre Geburtserfahrung jahrelang still mit sich herum. Sie hören Sätze wie „Das gehört halt dazu“, „Sei froh, dass ihr beide gesund seid“ oder „Das vergisst du schon wieder“. Und irgendwann glauben sie selbst, dass sie sich nicht so anstellen sollen.
Dabei geht es sehr vielen Müttern so. Du siehst es ihnen nur nicht an, weil kaum jemand darüber spricht.
Deine Gefühle sind berechtigt. Du darfst traurig sein über die Geburt, die du dir gewünscht hattest. Du darfst wütend sein, dass du nicht gehört wurdest. Und du darfst gleichzeitig dein Kind von Herzen lieben. Das schließt sich nicht aus.
Geburt verarbeiten mit EMDR und Hypnose
Du musst das nicht einfach aushalten. Eine belastende Geburtserfahrung lässt sich verarbeiten, sodass sie ihren Platz in deiner Geschichte bekommt, ohne dich weiter zu beherrschen.
In meiner Praxis begleite ich Frauen genau dabei. Am Anfang steht immer das Zuhören: Du darfst erzählen, was passiert ist, in deinem Tempo und ohne bewertet zu werden. Danach schauen wir gemeinsam, was dir guttut. Dabei arbeite ich unter anderem mit diesen Methoden:
EMDR: Eine Methode, die speziell für die Verarbeitung belastender Erlebnisse entwickelt wurde. Sie kann helfen, dass Erinnerungen an die Geburt ihre überwältigende Kraft verlieren.
Hypnose: In einem Zustand tiefer Entspannung kannst du wieder Zugang zu Sicherheit und deinen eigenen Kraftquellen finden.
Wie viele Sitzungen sinnvoll sind, ist individuell und klären wir gemeinsam. Es spielt auch keine Rolle, ob die Geburt drei Wochen oder zehn Jahre zurückliegt.
Begleitung nach einer schweren Geburt in Köln
Wenn du spürst, dass dich deine Geburt nicht loslässt, lade ich dich zu einem unverbindlichen, telefonischen Erstgespräch ein. Wir lernen uns kennen, du erzählst so viel, wie du möchtest, und wir schauen gemeinsam, ob und wie ich dich begleiten kann.
Meine Praxis findest du in Köln an der Antwerpener Straße und in Köln-Sürth.
Wichtig: Wenn du dich gerade in einer akuten Krise befindest, dauerhaft niedergeschlagen bist oder Gedanken hast, dir oder deinem Kind etwas anzutun, wende dich bitte sofort an deine Ärztin, deinen Arzt oder die nächste Klinik. Die Telefonseelsorge erreichst du rund um die Uhr kostenlos unter 0800 111 0 111.
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